Wiedermal ein absolut spannender Blog von Michael Bartz:

"Stellen Sie sich vor, Sie haben 20.000 Mitarbeiter. 8.000 davon
setzen Sie frei und geben Sie in eine Talent Cloud ausserhalb der
Unternehmens. In Ihrer Firma verbleiben als Angestellte nur noch die
Mitarbeiter, die Customer Facing sind. Zum Beispiel Vertriebs- oder
Servicemitarbeiter direkt an der Kundenschnittstelle. Alle anderen gehen
raus.
Wenn Sie sich das jetzt einigermassen vor Ihren Augen ausgemalt
haben, dann denken Sie ganz konkret an IBM. Und dann sind das die
Rahmendaten für die Umsetzung des weltweiten IBM-Projektes Liquid nur
einmal bei IMB in Deutschland – so berichten Markus Dettmer und Franken
Dohmen im Spiegel 06/2012. Liquid soll den Konzern weltweite fluider
gestalten und die “Agillity” erhöhen. Das heisst, den Konzern
anpassungsfähiger machen. Schnelles Up-sizing und Down-sizing nach
Auftragslage sollen durch die Talent Cloud viel einfacher werden.
In die Talent Cloud gehen Programmierressourcen; vielleicht auch
Projektleiter und Experten für bestimmte Technologie-Nischen. Statt –
wie derzeit – bei IBM angestellt zu sein, werden diese dann zu
Freelancern in der Talentewolke.
Das Finden und projektbezogene temporäre Hiring dieser Ressourcen
läuft über eine elektronische Plattform. Dieses Tool ist eine Mischung
aus Facebook und Ebay. Hier können sich die Talente profilieren, sich
connecten, werden bewertet und können letztendlich gefunden, verhandelt
und temporär zu Projekten assigned werden.
Das ist sicher der Highway in Richtung “Agility” für IBM. Aber
daneben wird dieses Vorgehen auch die IBM-Kostenbasis erheblich
verbessern. Denn in der Talent Cloud konkurrieren die Noch-Mitarbeiter
nicht mehr in einem lokalen Arbeitsmarkt, sondern werden unmittelbar und
ungepuffert in den “Global Talent Space” katapultiert. Denn jetzt steht
ein Programmierer in München plötzlich in Konkurrenz mit Ressourcen in
Windhuk. Nicht umsonst erwähne ich Windhuk. IBM sieht speziell in Afrika
den Arbeitsmarkt der Zukunft. Während Ressourcenpools in Asien schon
eher als ausgeschöpft angesehen werden (über Europa reden wir gar
nicht), herrscht in Afrika eine Sondersituation: Hier steht bereits
heute eine grosse Menge gut ausgebildeter IT-Experten und zukünftiger
Talente zur Verfügung, die aber noch lange nicht produktiv in
Arbeitsmärkte eingebunden sind. Ein Grund neben vielen: Die lokalen
Industrien im sekundären und tertiären Sektor auf dem afrikanischen
Kontinent sind heute noch vergleichsweise unterentwickelt. Sehr
diplomatisch formuliert.
Jetzt spätestens kommen bei Ihnen vielleicht Gedanken hoch: So etwas
können wir nicht zulassen! Die Kunden von IBM werden sich wehren. Etc.
etc. – Zunächst: No Blame on IBM. IBM ist nur Vorreiter und gibt halt
mehr Gas als andere Unternehmen derzeit in diese Richtung. Vielmehr hält
das Projekt “Liquid” uns einen Spiegel vor. Und ist ganz klarer “Call
to Action” für alle Arbeitsmarkt-Beteiligten, das Thema “Freelance
Planet” höher auf die Agenda zu bringen (…statt abzuwarten und die
Entwicklung Vollgas auf sich zurasen zu lassen). Die Voraussage steht
klar im Raum: Der Vollzeit-Festangestellte und die
Vollzeit-Festangestellte werden Luxusgut und Mangelware in der Neuen
Welt des Arbeitens sein. An ihre Stellen werden alternative
Beschäftigungsformen treten. Wer sich im ersten Schritt näher mit
alternativen Beschäftigungsformen auseinandersetzen möchte, kann hier
eine Diplomarbeit aus dem Forschungsschwerpunkt “New World of Work” der
IMC FH Krems herunterladen:
https://skydrive.live.com/?cid=92c80e0c461a73c2&resid=92C80E0C461A73C2!419&id=92C80E0C461A73C2%21419
Weitere Informations- und Diskussionsmöglichkeiten:
Besuchen Sie am 27. April in der Langen Nacht der Forschung das
“New World of Work Experience Lab” an der IMC FH Krems:
http://lnf.fh-krems.ac.at/home/
Oder kommen Sie zur
Future of Work Konferenz am 14. Juni nach Wien:
“Future of Work” Konferenz im Juni in Wien
Führen Sie mit der IMF FH Krems in Kooperation mit HMP Consulting einen eintägigen
New World of Work Envisioning Workshop in Ihrem Unternehmen durch. Kontakt:
michael.bartz@fh-krems.ac.at
Wer sich als Student oder Studentin auf die neuen Arbeitswelten
gezielt vorbereiten und die zukünftig erforderlichen
Managementkompetenzen im
Studium erwerben möchte, kann
sich jetzt noch zum Wintersemester 2012/2013 im internationalen Export
Management Programm einschreiben (auch berufsbegleitend):
http://www.fh-krems.ac.at/de/studieren/bachelor/exportorientiertes-management/uebersicht/
http://www.fh-krems.ac.at/de/studieren/master/exportorientiertes-management/uebersicht/
…Vielen Dank an Thomas Schmutzer für den Hinweis auf den Spiegel-Artikel"
Michael Bartz am 18.04.2012